Abenteuer - Geschichten - Erlebnisse

5: Vater, Mutter und unser Laden

Vater, Mutter und unser Laden
Der Abenteuerladen

Meine Mutter:

Sie hat mich auf die Welt gebracht, mir einen Namen gegeben und mich sogar behalten. Danke Mama. All das ist nach vielen Strapazen durch die Schwangerschaft und einer „Tragezeit“ von 9 Monaten nicht selbstverständlich. Aber wenn man dann erstmal auf der Welt ist, geht die eigentliche Arbeit einer Mutter erst so richtig los.

Schlafen, wann und so viel man möchte, hinfahren, wo und wie lange man will, ist mit so einem „Balg“ wie mir nicht drin. Ganz am Anfang dürstete es mir sicherlich 2–3 Mal die Nacht. Doch wer war immer für mich da? Mutti! Hing mal ein Pups der Quere, wer hat alles wieder heile gemacht? Mutti! Fertiggerichte oder Pizza? Fehlanzeige, erstens gab es das damals noch nicht, zumindest war es mir nicht bekannt und zweitens kam das meiner Mutter nicht in die Tüte (was für ein Wortwitz). Sie hat sich jeden Tag hingestellt und für mich und meinen Vater frisch gekocht. Kurze Info für die jüngeren Leser: frisch gekocht bedeutet: „das Zubereiten einer Speise ohne „Fix für dies“ oder „Fix für das“, Essen ohne Geschmacksverstärker oder andere Zusätze außer vielleicht „Liebe“ und dabei noch „superlecker“.

Wenn ich mal nicht das gemacht habe, was ich sollte (was sehr selten vorkam), verfiel sie nicht gleich in ein lautes Schreien, wie man es sooooo oft von anderen Müttern auf der Straße oder in Geschäften vernehmen kann. Nein, sie blieb ruhig und erklärte mir, warum ich dies oder das nicht machen darf und auch, wenn all die autoritären Mütter, Väter und Möchtegern-Eltern etwas anders sagen, bei mir hat genau diese Erziehung funktioniert. Nach eigener Einschätzung bin ich ein ordentlicher und höflicher Zeitgenosse mit Anstand geworden.

Ich könnte stetig so weiter machen und meine Göttin der Mütter immer weiter in den Himmel heben. Ich denke dennoch, dass es das größte Lob für eine Mutter ist, wenn sie merkt, dass es ihrem Sohn gut geht. Wenn es ihm schmeckt, er dankbar ist, er seinen Anstand bewahrt und ab und an auch einmal Danke sagt, zumindest ab einem Alter, in dem das für ein Kind möglich ist. Danke, danke, danke, du bist die beste Mutter, die man sich vorstellen kann.

Mein Vater:

Mein Vater hat mich zwar nicht zur Welt gebracht, hatte somit keine Schmerzen zur Geburt und war auch nicht zu meinem Austritt aus Mutters Unterleib dabei, aber er hatte zumindest neun Monate genauso um mich und meine Mutter gebangt. Warum er zu Geburt nicht live dabei war, erfahrt Ihr im Artikel 2: Auch wer zu spät, kommt wird Vater.

Nicht minder waren aber seine Erwartungen in mich und auf das, was da auf ihn zu kam. Wie auch für meine Mutter war es sein erstes und wie ich inzwischen weiß auch sein letztes selbst gezeugtes Kind. Die Rollenverteilung in meinem Elternhaus war und ist klassisch. In der Zeit, als meine Mutter sich tagsüber um mich gekümmert hat, arbeitete mein Vater hart und lange. Er war somit der Geldverdiener in unserer kleinen, aber beschaulichen Familie. Nicht weniger anstrengend war daher sein Dasein. Tagsüber war er arbeiten und am Abend war er jeden Tag für mich da und hat mir die letzten Stunden des Tages versüßt.

Ich konnte es immer kaum erwarten, bis ich seinen Schlüssel in unserer Tür gehört habe. Dann wusste ich, jetzt habe ich die beiden ganz für mich, was ich natürlich auch bis zum Schlafengehen ausgekostet habe. Ich war mit meinem Vater so oft draußen im Garten und habe mit ihm zusammen die Nachbarschaft unsicher gemacht. Wurden ihm meine Turnkünste irgendwann zu waghalsig oder die Absprunghöhe von den zahlreichen Bäumen zu hoch, hat er mir mit bestimmter, aber immer noch lieblicher Stimme beigebracht, dass ich mir weh tun kann. Meine Mutter wäre in dem Fall höchstwahrscheinlich schon längst durchgedreht. Sie ist nämlich eher die Übervorsichtige und alles, was höher als die Bordsteinkante ist, ist gefährlich.

War der Abend mit seinen ganzen erlebten Abenteuern zu Ende, brachte mich mein Vater oft ins Bett, küsste mich auf die Stirn, wünschte mir eine gute Nacht und dass er mich liebhat. Hiermit bedanke ich mich bei meinem Vater für so viele wunderbare Jahre und für alles, was er für mich gemacht hat, für alle Entbehrungen, die er durch mich hatte und auch gern in Kauf für mich genommen hat. Danke, danke, danke, du bist der beste Vater, den man sich vorstellen kann.

Unser Laden:

Kein Supermarkt und auch kein Warenhaus, einfach nur ein kleines verschlafenes Lädchen direkt im Erdgeschoss zwischen unserer Wohnung und dem großen Speisesaal des Bürgerheims. Heutzutage würde man im Business-Deutsch „Shop im Shop“ sagen. Dieser kleine „Tante Emma“ Laden war mit nichts vergleichbar, was ich damals kannte und auch bis heute habe ich so eine Art Geschäft nie wieder gesehen.

Doch warum bringe ich diesen Laden direkt in einem Beitrag mit meinen Eltern in Verbindung? Ganz einfach, meine Eltern gab es nur in Verbindung mit diesem kleinen Geschäft, und zwar mit allen Vor- und Nachteilen. Solange ich denken kann, hatten meine Eltern zwei Jobs. Den einen tagsüber als Angestellte im Bürgerheim und der andere war der kleine „Tante Emma“ Laden als Nebenjob zwischendurch, ich glaube immer in der Mittagspause für eine halbe oder ganze Stunde.

Ein großes, schiebbares Glasfenster zum Öffnen des Geschäfts und zum Verkaufen der Ware. Der Rest des riesigen Fensters war zum Schauen und Staunen. So konnten sich die Leute im Vorfeld schon aussuchen, was sie gern kaufen wollten. Ganz rechts, direkt neben dem Fenster gab es eine alte Holztür, ebenfalls mit Fenster.

Der Eintritt für die Bewohner in den Laden war nicht gestattet. Ich als Kind durfte aber natürlich zusammen mit meinen Eltern rein. Ich sehe es heute noch vor mir. Die angebotenen Waren lagen in einem alten, aber sehr schönen, offenen, regel-artigen Schränken. Unterhalb des Sichtbereichs lag verschlossen die Ware zum Nachfüllen. Zwischen meiner Mutter, die meist den Laden geöffnet und Produkte verkauft hat und den Kunden, also den Heimbewohnern, gab es eine Art riesigen Tresen. Dieser ist vergleichbar mit jetzt noch existierenden Apotheken. Auch hier wurden an allen Ecken und Enden Ware ausgestellt. Unter dem Tresen konnte man zusätzlich Ware aufbewahren, die man später auffüllen konnte.

Für mich war das kleine Geschäft das reinste Abenteuerland. Es war alles so schön alt und mysteriös, aber dennoch sauber. Zu kaufen gab es alles, was man sich nur denken kann. Angefangen von Zigaretten über Spirituosen, Süßigkeiten und Knabbereien, aber auch Dosen und andere eingepackte Lebensmittel, falls die Bewohner auch mal außerhalb der eigentlichen Essenszeit Hunger bekommen. Ich könnte noch so viel über dieses kleine Geschäft erzählen und meine Eltern werden sich jetzt wundern, warum mir das so wichtig ist. So ganz genau kann ich das gar nicht beantworten. Jedoch kommt mir dieser kleine, aber feine Laden bis jetzt noch in meinen Träumen vor und schon das ist Grund genug, um ihn in meinen Beiträgen zu erwähnen.

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3 Kommentare

  1. Christiane

    An den Laden kann ich mich auch gut erinnern. War auch für mich eines der Highlights im „Feierabendheim“ 🙂

  2. Autor

    Leider ist von dem Laden nichts mehr übrig so viel ich weiß, die Erinnerungen bleiben aber und die kann uns keiner nehmen.

  3. Heike B.

    Das war für mich auch immer wunderbar hinter dem Ladentisch zu stehen und unter den Tresen schauen zu dürfen und die Freude mancher Bewohner (besonders eines) dem kleinen Andreas etwas süsses schenken zu können. Du weisst bestimmt wen ich meine.

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